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4 best practice

Page history last edited by gerhilde@talkademy.org 5 years, 6 months ago

Förderung der Reflexionskompetenz durch Aufgabendesign

 

Pädagogische Hochschule Freiburg

 

Am Standort Freiburg wurde bereits vor Projektbeginn eine für den Standort wichtige Veränderung erreicht: Mit der Einführung eines Exposees für das zu planende Professionalisierungspraktikum wurde erreicht, dass die Studierenden bereits vor Praktikumsbeginn dazu angehalten wurden, für ihre Praktikumstätigkeit einen wissenschaftlichen Fokus in Form einer Forschungsfrage und eines Forschungsdesigns zu entwickeln. Wurde bis dahin erst im Nachhinein ein Praktikumsbericht abverlangt, aus dem sich im besten Fall zufällig wissenschaftliche Einsichten ergaben, so wird seit der Einführung des Exposees bereits im Vorfeld des Praktikums eine wissenschaftliche, forschende Haltung initiiert.

Auch wenn für die Anfertigung des Exposees bereits vor PREPARE ausführliche Anleitungsmaterialien zur Verfügung standen, so wurde im Rahmen der in Kommentarteil 2 vorgestellten SWOT-Analyse zur Ermittlung von Handlungsbedarf und Handlungspotenzial eine tendenziell niedrige Textqualität festgestellt, v.a. im Bereich des Formulierens klarer Forschungsfragen bzw. in der sinnvollen bzw. angemessenen Eingrenzung derselben.

Im Rahmen von PREPARE wurde das Aufgabendesign für die Textproduktion des Exposees speziell durch die Einbeziehung des Ansatzes social video learning (Vohle/Reinmann 2012) verändert:

  1. Anstatt das Exposee sofort als Text zu entwerfen, wurde zuerst in einem kurzen Video (z.B. mit dem Handy aufgezeichnet) die Grundidee zum Praktikum und das damit verbundene Erkenntnisinteresse kurz vorgestellt. Diese Videoaufnahme kann danach (fakultativ) als schriftlicher Kommentar im Video selbstkritisch kommentiert werden.

  2. Obligatorisch ist das schriftliche Feedback im Video durch 1-2 Peers, die der Autorin bzw. dem Autor des Exposees rückmelden, inwieweit sie Grundidee und erkenntnisinteresse zum Praktikum verstanden haben. Bei Bedarf werden im Kommentar Klärungsanfragen formuliert. Forschung zum Peer-Feedback (vgl. u.a. Girgensohn 2014) haben gezeigt, dass Peers bzw. Studierende in einer ähnlichen Ausbildungssituation – tendenziell Klärungsfragen mit hoher Authentizität stellen und dadurch bei den Adressat*innen einen hohen Gebrauchswert erlebbar werden lassen und auf dieser Basis eine starke Motivation für die eigentliche Textproduktion entsteht. Ähnliche Zusammenhänge zwischen Authentizität, Gebrauchswert und Handlungsmotivation konnten am PREPARE-Standort Freiburg bei der Schreibberatung (s.u.) beobachtet werden: Entwürfe des Exposees bzw. von der Autorin / dem Autor selbstkritisch eingeschätzte Ausschnitte werden in einem weiteren Video vorgelesen und anschließend durch ausgebildete studentische Schreibberater*innen auf der Grundlage von makro- bzw. mikrostrukturellen Kriterien kommentiert.

 

 

Die in den beiden Beispielen von Luxemburg und Freiburg beschriebenen Aufgabendesigns entstanden auf der Basis eines grundsätzlichen Designs für das Projekt PREPARE, auf das sich alle Projektstandorte vorab geeinigt hatten (s. Abb. 4.1):

Abbildung 4.1: Aufgabendesign

 

Wie bereits durch die o.g. Beispiele, aber besonders durch die o.g. Grafik ersichtlich wird, können Authentizität und Gebrauchswert durch ein bestimmtes Aufgabendesign erreicht werden. Für dieses Aufgabendesign ist das Prinzip des scaffolding zentral, bei dem es darum geht, das Erreichen eines komplexen Handlungsziels – hier die Erstellung eines ePortfolios – durch die Konzipierung mehrerer Teilziele und dazu gehöriger Teilaufgaben für die Akteur*innen realistischer werden zu lassen bzw. den Arbeitsprozess effizienter zu gestalten. Scaffolding realisiert sich hier also im Rahmen eines Aufgabenarrangements, bei dem einerseits die verschiedenen Ebenen der Reflexion (vgl. Bräuer 2016) nacheinander bearbeitet werden als auch die Entstehung des ePortfolios durch das Abarbeiten der Entstehungsphasen „Sammeln“, „Auswählen“ und „Gestalten“ vorgenommen wird. Derartige Zwischenschritte und -ziele ergeben wiederum konkrete hochschuldidaktische Gestaltungsmöglichkeiten wie Peer- bzw. Expert*innen-Feedback, Schreibberatung, die Kombination von face-to-face-Arbeitsphasen mit Phasen digitaler Kooperation, individuelle und kooperative Überarbeitungsschleifen, bis hin zu Differenzierungsaufgaben für die Kompensierung unterschiedlicher Lern- und Arbeitsstände (z.B. bedingt durch Deutsch als Zweit- oder Fremdsprach, vgl. dazu WRILAB 2016) oder für den Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen durch verschiedene Lernenden- bzw. Schreibenden-Typen (vgl. Bräuer 2016).

 

Institut de Formation de l'Éducation Nationale (IFEN)

Der Beginn des PREPARE-Projekts koppelt sich an die reformierte Lehrerausbildung aus dem Jahre 2015, welche die Reflexionskompetenz im gesamten Ausbildungskonzept (durch ein stringentes Aufgabendesign fördert) fokussiert. Durch die Implementation eines Blended-Learning-Konzept mit einem stringenten Aufgabendesign und der Integration von E-Portfolio im Ausbildungsmodul „Klassenmanagement“ wurde im Rahmen des Projekts die Ausbildung weiterentwickelt, einem Baustein der Ausbildung, der insbesondere durch seine inhaltliche und strukturelle Konzeption, die Qualität des Unterrichtens fördern soll. Am Standort Luxemburg wurde das Blended-Learning-Konzept entsprechend auf dem PrepareCampus entwickelt (s. Abb. 4.2).

 

Abbildung 4.2: Abfolge Kurse (Schuljahr 2017-18)

 

Zunächst wurden inhaltliche Blöcke zur Theorie von Klassenmanagement festgelegt und in den Präsenzphasen mit den ReferendarInnen mittels aktiven, vielfältigen Unterrichtsmethoden bearbeitet.

Auf dem PrepareCampus wurde das Aufgabensetting zur individuellen und kooperativen Bearbeitung der Themenschwerpunkte virtuell umgesetzt. Das Besondere am Aufgabensetting sind dabei kriteriengeleitete Beobachtungsaufträge mit der Anleitung zum reflexiven Schreiben nach den vier Ebenen von Bräuer (2014), Beschreibung, Analyse, Bewertung und Planung eines Unterrichtsmoments (s. Abb. 4.3).

 

Abbildung 4.3: Ausschnitt aus Aufgabe 05 – fokussierte Beschreibung der Praxissituation 1, Beispiel eines Referendars, 1 Stufe der 4 Reflexionsebenen nach Bräuer (2014)

 

Hierzu mussten die Referendare ein Kurzvideo aus ihrem Unterricht auf die Plattform hochladen und einen Beobachtungsschwerpunkt (Kriterium und Indikatoren) auswählen. Die Peers und Kursleiter/-innen hatten die Aufgabe Feedbacks zum festgelegten Kriterium zu geben. Zudem wurde nach jeder Blockstunde zum einen Selbstreflexion zum Thema angeregt und ins ePortfolio hinterlegt sowie ein Feedback zum Kursablauf eingefangen. Die Reflexionsfähigkeit wurde abschließend in einer schriftlichen Arbeit zum Thema „Reflexion von Klassenführung durch Videoaufnahme“ entlang der vier Ebenen von Bräuer (2014) bewertet. Auf Basis der Feedbacks und Selbstreflexionen wurden die Referendare aufgefordert ihre reflexive Abschlussarbeit nach den Ebenen von Bräuer (2014) zu verfassen mit dem Ziel Handlungsalternativen herauszuarbeiten, um sich in einem zweiten Video hinsichtlich ihres ausgewählten Kriteriums zu verbessern (s. Abb. 4.4).

 

Abbildung 4.4: Ausschnitt aus der schriftlichen Arbeit – Sekundärreflexion (Bewerten), Beispiel eines Referendars, 3 Stufe der  4 Reflexionsebenen nach Bräuer (2014)

 

Wir gehen davon aus, dass der Aufbau der Professionellen Handlungskompetenz durch die gezielte Förderung der Reflexionsfähigkeit und die konsequente Bearbeitung der Aufgabenstellung nach den Ebenen von Bräuer sowie mit der regelmäßigen Dokumentation im ePortfolio entsteht. Wir konnten feststellen, dass diejenigen Arbeiten, deren Autoren die Fokussierung stringent verfolgt haben, zielführende Handlungsalternativen herausarbeiten konnten. Wir konnten aber auch feststellen, dass der Anspruch seinem „eigenen Lernen auf die Spur zu kommen“ mit einer professionellen Haltung einhergehen muss, welche u.a. bedeutet sich verbessern zu wollen und damit auch seinen eigenen Schwachstellen gegenüber zu treten. Durch den kontinuierlichen Austausch unter Peers und mit den Kursleitern wird diese Herangehensweise in Bezug zur eigenen Entwicklung gefördert.

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